03.10.2016
Alles was kommt
Filmzettel – Nummer 1169
Regie: Mia Hansen-Løve; Kamera: Denis Lenoir; Darsteller: Isabelle Huppert (Nathalie Chazeaux), André Macon (Heinz Chazeaux), Roman Kalinka (Fabien), Edith Scob (Nathalies Mutter), Sarah Le Picard (Chloé); Länge: 98 min; Spielfilm; Frankreich 2016

Inhalt

Nathalie, End 50, unterrichtet an einem Pariser Gymnasium Philosophie, publiziert Aufsätze und Lehrbücher und lebt mit ihrem Mann in gepflegten bürgerlichen Verhältnissen. Die beiden Kinder sind aus dem Haus und das einzige Problem in ihrem Leben scheint ihre hypochondrische Mutter zu sein. Doch dann beginnt alles zu zerfallen. Heinz offenbart ihr, dass er eine jüngere Frau kenngelernt hat und sich trennen will, ihr Verlag deklariert ihre Bücher als altbacken und fordert eine Modernisierung, ihre exzentrische Mutter muss ins Altersheim. Allein ihr ehemaliger Schüler Fabien sorgt für einen Lichtblick, denn er scheint all das zu verkörpern, was Nathalie vermisst: Sicherheit, Souveränität und den positiven Blick in eine ungewisse Zukunft.

Kommentar

"Dürfen emanzipierte Frauen noch den Abwasch erledigen?"- mit dieser hanebüchenen Frage wurde die Regisseurin bei einer Pressekonferenz auf der diesjährigen Berlinale konfrontiert. Sie zeigte sich verwundert über dieses offensichtliche Bedürfnis nach Eindeutigkeit, zumal sich all ihre Filme durch ein elegantes und sensibles Spiel mit Möglichkeiten auszeichnen. So ist die im Zentrum von "Alles was kommt" stehende Philosophin Nathalie weder eine in Konventionen gefangene Spießerin noch eine radikale Umstürzlerin. Allerdings besteht durch diese eher beiläufige Art der Darstellung die Gefahr, dass die Filme ein wenig dahinplätschern, die Dinge werden eigentlich nie auf den Punkt gebracht, Bezüge werden nur angedeutet, der Zuschauer muss die Verbindungen oft selber herstellen. Man folgt dabei einer fragil wirkenden Isabelle Huppert, die eine couragierte Frau gibt, die jedoch auf verlorenem Posten steht.