12.09.2016
Captain Fantastic
Filmzettel – Nummer 1166
Regie: Matt Ross; Kamera: Stéphane Fontaine; Musik: Alex Somers; Darsteller: Viggo Mortensen (Ben), Frank Langella (Jack), George Mackay (Bo), Samantha Isler (Kielyr), Annalise Basso (Vespyr); Länge: 120 min; Spielfilm; USA 2016

Inhalt

Tief in den nordwestlichen Wäldern der USA haben der hochgebildete Ben und seine buddhistische Frau Leslie ein eigenes Refugium für sich und ihre sechs Kinder geschaffen. In mühsamer Handarbeit haben sie ein Anwesen errichtet, auf dem sie sich selbst versorgen können und wo Ben seinen Kindern alles Notwendige beibringt, um in der Wildnis zu überleben. Dazu gehört neben einem knallharten Training auch ein Bildungsgrad, der weit über das hinausgeht, was bei ihren Altersgenossen im Lande üblich ist. Als sich die schwer depressive Leslie das Leben nimmt, begibt sich Ben mit seinen Kindern zurück in die normale Welt, um den letzten Wunsch seiner Frau zu erfüllen. Dort muss er erleben, wie seine Kinder auf das Heftigste mit den Errungenschaften des Konsum-Kapitalismus konfrontiert werden.

Kommentar

Man sieht der warmherzigen Inszenierung des Stoffs an, dass sie erfährungsgetränkt ist, denn die Mutter des Regisseurs lebte lange Zeit in hippieartigen Kommunen. Dementsprechend versteht er es, die Utopie einer naturnahen, antikapitalistischen Lebensweise eindringlich darzustellen. Und aus dem zuweilen etwas plakativ dargestellten Kontrast zwischen Naturidylle und Konsumismus, hoher Bildung und Pseudowissen, schlägt Ross etliche humoristische Funken. Doch je länger sich Ben's Sprösslinge in der Zivilisation aufhalten, umso mehr treten die Defizite einer außerschulischen Erziehung in der Einsamkeit zutage. Seine Kinder sind auf die moderne Welt nicht vorbereitet. Nur aus Büchern stammt ihr Wissen über die Welt, nur in der Theorie sind sie geschult und von der Lebenspraxis daher schnell überfordert. Für Ben und seine Frau war der Ausstieg aus der Gesellschaft einst eine freie Entscheidung, die ganz bewusst getroffen wurde. Doch ihre Kinder hatten diese Wahl nicht. Der Film regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, z.B. über die Frage, warum die Höhepunkte des Hippietums heutzutage fast nur noch in der Werbung eine Rolle spielen.