01.08.2016
Ferien
Filmzettel – Nummer 1160
Regie: Bernadette Knoller; Kamera: Anja Läufer; Musik: Paul Eisenach, Ryan Robinson ; Darsteller: Britta Hammelstein (Vivian Baumann), Detlef Buck (Vater Baumann), Jerome Hirthammer (Eric), Inga Busch (Biene), Ferdinand von Schirach (Otto),; Länge: 88 min; Spielfilm; Deutschland 2016

Inhalt

Vivian Baumann ist auf dem besten Weg Staatsanwältin zu werden und mit ihrem Freund zusammenzuziehen. Doch die Aussicht auf einen neuen Lebensabschnitt überfordert sie und so hofft sie auf etwas Ruhe auf dem mütterlichen Sofa. Ihr Vater ist jedoch der Meinung, dass ein Urlaub ihr gut tun würde und so überredet er sie zu einem gemeinsamen Trip auf eine Insel. Dort geht er ihr schnell mit seinen gut gemeinten Ratschlägen auf die Nerven. Sie flüchtet sich in längere Spaziergänge und findet Gefallen an der Idee, länger auf der von lauter skurrilen Gestalten bewohnten Insel zu bleiben. Also nimmt sie einen Job in Ottos Krämerladen an und mietet sich bei der alleinerziehenden Biene ein.

Kommentar

Bernadette Knoller ist die älteste Tochter von Detlef Buck, dem eindeutig beliebtesten Regisseur in unserer Region. Sie hat mit einem kleinen Dokumentarfilm über die Käserei in Rögnitz angefangen, nun liegt mit "Ferien" ihr Abschlussfilm an der Filmhochschule "Konrad Wolf" in Potsdam vor. Dass ihr Vater die männliche Hauptrolle spielt, verleiht dem Film eine ganz besondere Note, zumal sich Buck, zumindest verbal, mal so richtig austoben darf. Ansonsten ist es nicht leicht, sich auf den Film einzulassen, der über weite Strecken wie ein Plädoyer gegen das Erwachsenwerden daherkommt. Die nicht namentlich genannte Insel (in der Realität handelt es sich um Borkum) sowie die zahlreichen Personen, mit denen die Protagonistin in Kontakt kommt, wirken allesamt irgendwie surreal. Die gängigen Erzählstrukturen werden aufgehoben und unterschwellig wabert immer ein Bruch mit der unserer Gesellschaft immanenten Leistungslogik. Knoller versucht, die persönliche Misere von Vivian ernst zu nehmen und dreht es dann doch ins Komische und Slapstickhafte. Sie zeigt einen Menschen, der einfach in Ruhe gelassen werden will, stattdessen aber umzingelt ist von Ratschlägen, die ihr nichts nützen, alle nach dem Motto "Mach was aus Deinem Leben!" Besonders hervorzuheben sind der erste Auftritt von Ferdinand von Schirach in einem Kinofilm (als kryptischer Sonderling) und eine Strandsequenz mit einer fünfköpfigen Band, die eine Musik hinlegt, dass einem die Luft wegbleibt.