04.07.2016
Die Poesie des Unendlichen
Filmzettel – Nummer 1156
Regie: Matthew Brown; Kamera: Larry Smith; Musik: Coby Brown; Darsteller: Dev Patel (Srinivasa Ramanujan), Jeremy Irons (G.H. Hardy), Toby Jones (Littlewood), Stephen Fry (Sir Francis Spring), Jeremy Northam (Bertrand Russell); Länge: 109 min; Spielfilm; Großbritannien 2015

Inhalt

Die südindische Hafenstadt Madras 1913. Der 25jährige Srinavasa Ramanujan malt im Hindu-Tempel mit Kreide hingebungsvoll mathematische Formeln auf den Boden. Der gläubige Brahmane ist beseelt von der Welt der Zahlen. Doch in seinem Heimatland, wo er es nicht einmal zu einem Schulabschluss gebracht hat, bleibt seine Begabung ohne Resonanz. Mutig schreibt er deshalb an G.H.Hardy, einen berühmten Professor am altehrwürdigen Trinity College in Cambridge, und schickt ihm seine Formeln. Der atheistische Mathe-Nerd erkennt tatsächlich Ramanujans Originalität und Brillanz. Gegen den Widerstand seiner Kollegen aus dem mathematischen Elfenbeinturm holt er das junge Genie an sein Institut. Ramanujan lässt Mutter und Ehefrau in Indien zurück um seiner Bestimmung zu folgen. Doch im England des 1.Weltkrieges erwarten ihn schwere Schicksalsprüfungen.

Kommentar

Dieses nach dem Roman "The Man who knew Infinity" von Robert Kanigal verfilmte und auf einer wahren Geschichte beruhende "Märchen" vom einfachen indischen Büroangestellten, der sich als großes Mathe-Genie entpuppt, steht auf einer Stufe mit den Biopics über Stephen Hawking ("Die Entdeckung der Unendlichkeit") und Alan Turing ("The Imitation Game"). Hier steht aber allein die Wissenschaft Mathematik im Mittelpunkt, von deren Schönheit der englische Logiker Bertrand Russell dereinst in den höchsten Tönen schwärmte. Die wohl bekannteste Anekdote über die beiden Ausnahme-Mathematiker bringt das sehr schön zum Ausdruck. Als Professor Hardy, der weltberühmte Zahlentheoretiker, seinen bereits schwerkranken Protegé in einem Londoner Hospital besuchte, begrüßte er ihn mit den Worten "Mein Taxi hatte die Nummer 1729, eine leider völlig nichtssagende Zahl - ein schlechtes Omen", darauf antwortete Ramanujan "Nein,Hardy. Es ist eine sehr interessante Zahl. Es ist nämlich die kleinste natürliche Zahl, die man auf zwei verschiedene Weisen als Summe von Kubikzahlen darstellen kann." Und der Mann hatte recht: 1^3 + 12^3 = 9^3 + 10^3 = 1729 ! Selbst Charakterdarsteller und Oscar-Preisträger Jeremy Irons ließ sich von der Zauberwelt der Mathematik faszinieren. Er verriet: " Ich erkannte, dass diese Wissenschaft, die mir immer seelenlos erschien, unendlich viele Wunder, Geheimnisse und Kunst enthält."