27.06.2016
Fritz Lang
Filmzettel – Nummer 1155
Regie: Gordian Maugg; Kamera: Lutz Reitemeier, Moritz Anton; Musik: Tobias Wagner; Darsteller: Heino Ferch (Fritz Lang), Thomas Thieme (Ernst Gennat), Samuel Finzi (Peter Kürten), Johanna Gastdorf (Thea von Harbou), Michael Mendl (Anton Lang); Länge: 104 min; Spielfilm; Deutschland 2015

Inhalt

Fritz Lang, der bekannteste deutsche Stummfilmregisseur der 20er Jahre ("Die Nibelungen" ; "Metropolis") versucht an der Schwelle zum Tonfilm etwas Neues, Eigenes zu schaffen. Auf der Suche nach einem passenden Stoff reist er 1930, gebeutelt durch die erkaltende Beziehung zu seiner Frau und Mitarbeiterin Thea von Harbou, von Berlin nach Düsseldorf, wo er die polizeilichen Ermittlungen des bekannten Kriminalrates Ernst Gennat verfolgt. Der befasst sich mit der Aufklärung des wohl spektakulärsten Falls in der Zeit der Weimarer Republik, es geht um Peter Kürten, den sog. "Vampir von Düsseldorf", einen Serienmörder, der lange Zeit unbehelligt sein Unwesen treiben konnte. Als er durch die Aussage einer Frau festgenommen werden kann, bekommt Lang die Erlaubnis, bei den Vernehmungen dabei zu sein. In persönlichen Gesprächen mit dem Triebtäter wird Lang mit Elementen seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Aus dieser Begegnung mit sich selbst entsteht schließlich der Film "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" - bis heute eines der bemerkenswertesten Werke der deutschen Filmgeschichte.

Kommentar

Der Film erhebt keineswegs den auch unmöglichen Anspruch, den "ganzen" Lang erklären zu wollen, sondern konzentriert sich auf die Vorgeschichte von "M". Dabei geht es Gordian Maugg vor allem darum, die aus der privaten Biographie heraus zu erklärenden Brüche und Abgründe in der Persönlichkeit des Regisseur-Giganten darzustellen. In einer Mischung aus Fakten und Fiktion - gedreht in Schwarz-Weiß und im zeitgenössischen Format 4:3, dabei garniert mit einem Mix aus Spielfilm- und Wochenschauszenen - wird gezeigt, wie Lang auf der einen Seite als aristokratischer Snob mit Monokel und autoritären Arbeitsmethoden daherkommt. Dahinter liegt -mehr im Dunkeln und wie hinter einer Maske - die Privatperson, die viel trinkt, kokst und sich Huren auf dem Straßenstrich sucht. Maugg versucht dabei, zwischen dem Serienmörder und dem Filmregisseur Ähnlichkeiten zu konstruieren, beide sind krank und leiden an sich selbst, nur das Lang das Glück hat, seine Obsessionen durch filmische Visionen kompensieren zu können. Es ist allerdings unklar, ob Fritz Lang tatsächlich Gespräche mit dem Serienmörder geführt hat. Der Film kam am 11.Mai 1931 in die Kinos - kurz vor der Hinrichtung Peter Kürtens.