20.06.2016
Bauernopfer - das Spiel der Könige
Filmzettel – Nummer 1154
Regie: Edward Zwick; Kamera: Bradford Young; Musik: James Newton Howard; Darsteller: Tobey Maguire (Bobby Fisher), Liev Schreiber (Boris Spassky), Michael Stuhlbarg (Paul Marshall), Peter Sarsgaard (Father Bill Lombardy), Lily Rabe (Joan Fisher ); Länge: 115 min; Spielfilm; USA 2015

Inhalt

Reykjavik im Sommer 1972. Mitten im Kalten Krieg blickt die Welt gebannt auf ein Schachbrett in einem Tischtennisraum. Amerikas paranoides Schach-Genie Bobby Fisher (IQ 186) hatte diesen abgelegenen Ort für das Jahrhundert-Match gegen den Groß- und Weltmeister Boris Spassky durchgesetzt, um dem als unschlagbar geltenden Russen die Krone abzunehmen. Das Spiel löste damals einen wahren Medienzirkus aus und Fisher fand sich plötzlich ungewollt als Spielball zweier Weltmächte wieder, während er gleichzeitig mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hatte. Warum verschanzt sich der jüngste Herausforderer aller Zeiten in seinem isländischen Hotelzimmer, reagiert panisch auf jedes Geräusch und schraubt den Hörer seines Telefons auseinander ? Doch dann beginnt die entscheidende Partie, bei der sogar Schach-Muffel mitfiebern werden !

Kommentar

Die Handlung des Films von Edward Zwick setzt in den frühen 50er Jahren ein und beruht zum größten Teil auf Tatsachen. Schon als Teenager terrorisierte Bobby seine Mutter, die sich damals für die Linke engagierte. Sie war mit der Erziehung ihres hochbegabten Jungen total überfordert. Bobby hatte keine Freunde und war in der Schule der absolute Außenseiter. Im Schach fand er schon als Sechsjähriger seine Berufung, mit 14 war er US-Meister, ein Jahr später der jüngste Großmeister aller Zeiten. Von da an war es sein großes Ziel, die Vorherrschaft der russischen Schachspieler zu beenden. In den USA löst der bevorstehende Weltmeisterschaftskampf eine regelrechte Schach-Hysterie aus, Millionen Amerikaner verfolgten die Partien live im TV. Einmal rief mitten im Wettbewerb sogar Henry Kissinger in Reykjavik an, um den von Verfolgungswahn geplanten Fisher zu motivieren. Am Ende des Films wird nicht unterschlagen, dass sich Fisher später mit seinem Heimatland völlig überworfen hat. Nach einem Interview, in dem er sich lobend über die Anschläge des 11.September 2001 geäußert hatte, wird er aus dem US-Schachverband ausgeschlossen, 2004 wird ihm sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft aberkannt. Fisher starb 2008 in Island, wohin er sich am Ende seines Lebens zurückgezogen hatte.