13.06.2016
Die Kommune
Filmzettel – Nummer 1153
Regie: Thomas Vinterberg; Kamera: Jesper Tøffner; Musik: Fons Merkies; Darsteller: Ulrich Thomsen (Erik), Trine Dyrholm (Anna), Helene Reingaard Neumann (Emma), Martha Sofie Wallstrøm (Freja), Lars Ranthe (Ole); Länge: 111 min; Spielfilm; Dänemark 2016

Inhalt

Als der erfolgreiche Architektur-Dozent Erik in den 70er Jahren eine stattliche Villa in der Nobelgegend von Kopenhagen erbt, lässt er sich von seiner Frau Anna, einer prominenten TV-Moderatorin, überreden, dort eine Kommune zu gründen. Ihr gemeinsame Tochter Freja ist von den WG-Aussichten gleichermaßen begeistert und schließlich locken zusätzliche Mieteinkünfte. Und so tauschen Anna und Erik ihren etwas eingerosteten Ehealltag gegen ein ungezwungenes Leben, das von Partys, Nacktbaden, Essen in großer Runde und einem harmonischen Beisammensein geprägt ist, abgesehen von kleinen Alltagsauseinandersetzungen. Doch als sich Erik in eine seiner Studentinnen verliebt und diese dann in die Kommune aufnimmt, bekommt die liberale Fassade plötzlich Risse. Vor allem Anna tut sich mit der neuen Situation schwer.

Kommentar

Wie in seinem seinerzeitigen Erfolgs- und "Dogma"-Film "Das Fest" seziert Thomas Vinterberg auch hier die Höhen und Tiefen des sog. Familienlebens. Selber in einer Art Kommune aufgewachsen und mit der biographischen Notiz, seine Gattin für eine Jüngere verlasen zu haben, bürgt er für ausreichende Authentizität. Während der erste Teil des Films als nostalgisch geprägtes Retro-Stück daherkommt, mit einer heiter-gelassenen Stimmung, kuriosen Zwischenfällen und viel Situationskomik, so wechselt der Erzählton in der zweiten Hälfte ins Melodramatische mit einer zunehmenden Konzentration auf das Protagonistentrio und einer wachsenden Fallhöhe. Insgesamt gesehen wird das Zeitkolorit gut getroffen, die Ausstattung punktet mit großer Präzision und die pointierten Dialoge veranschaulichen die Aufbruchstimmung der 70er Jahre mit ihrem Willen zur Weltverbesserung. Geblieben davon ist der VW-Bully als Teil einer Bankenwerbung und die seitdem virulent vorhandene Beschönigung von Drogen und Gurus.