30.05.2016
Das Tagebuch der Anne Frank
Filmzettel – Nummer 1151
Regie: Hans Steinbichler; Kamera: Bella Halben; Musik: Sebastian Pille; Darsteller: Lea van Acken (Anne), Martina Gedeck (Edith Frank-Holländer), Ulrich Noethen (Otto Heinrich Frank), Stella Kunkat (Margot Frank), Ella Frey (junge Anne), Margarita Broich (Petronella van Daan), André Jung (Hans van Daan), Leonhard Carow (Peter van Da; Länge: 128 min; Spielfilm; Deutschland 2016

Inhalt

Anne Frank wurde am 12.Juni 1929 als Kind jüdisch-deutscher Eltern in Frankfurt a.M. geboren. Nach Hitlers Machtergreifung kam es sofort zu antisemitischen Maßnahmen, so dass Annes Vater Otto Frank, der im ersten Weltkrieg als Offizier im deutschen Heer gedient hatte, beschloss, mit der Familie nach Amsterdam zu emigrieren. In den Jahren 1935 und 1936 verbrachte Anne noch einmal unbeschwerte Sommerferien auf dem Anwesen ihrer Pariser Großtante Olga Spitzer in Sils Maria. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges und der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht spitzte sich die Lage der Familie immer mehr zu. Die Juden wurden zunehmend vom gesellschaftlichen Leben und allen öffentlichen Einrichtungen ausgeschlossen. Am 12.Juni 1942 bekam Anne zum 13.Geburtstag ein rot-weiß kariertes Tagebuch geschenkt, in das sie noch am selben Tag die ersten Eintragungen vornahm. Otto Frank hatte derweil im Hinterhaus seiner Firma in der Prinsengracht 263 ein Versteck vorbereitet, dessen Zugang durch ein Bücherregal verdeckt wurde.Dort lebte die Familie zusammen mit vier anderen Juden bis zu ihrer Entdeckung am 4.August 1944, knapp zwei Monate nach der erfolgreichen Invasion der Alliierten in der Normandie. Hintergrund der Verhaftung war offenbar Verrat, dessen Urheber man aber bis heute nicht kennt. Der Abtransport nach Auschwitz erfolgte am 3.September. Da die Rote Armee immer näher rückte, begannen die Nazis mit der Räumung des Vernichtungslagers, so wurde Anne am 28.Oktober nach Bergen-Belsen deportiert, wo sie im Februar 1945 starb, zwei Monate vor der Befreiung des Lagers durch britische Truppen.

Kommentar

Das Tagebuch der Anne Frank ist wahrscheinlich das erschütterndste Dokument gegen die unmenschliche Herrschaft des Nationalsozialismus und erregte nach seinem Erscheinen 1951 auf der ganzen Welt größtes Aufsehen. Nach der Verhaftung der Familie Frank fand man das Tagebuch zwischen alten Büchern und Zeitungen. Es wurde Otto Frank, dem einzigen Überlebenden, nach dessen Rückkehr übergeben und von ihm ediert. Seitdem ist der Stoff dreimal verfilmt worden, 1959 und 1980 in den USA und jetzt von Hans Steinbichler in Deutschland. Der deutsche Film konzentriert sich dabei auf die persönliche Entwicklung des Mädchens und versucht - laut Regisseur - die Geschichte ganz aus der subjektiven und somit authentischen Erfahrung eines frechen, ungemein klugen Mädchens in der Pubertät zu erzählen, das unter aberwitzigen Bedingungen aufwachsen muss.Die Dreharbeiten begannen am 26.Januar 2015 in den MMC-Studios in Köln. Auch an Originalschauplätzen in Amsterdam wurde gedreht sowie in Sils Maria und auf Norderney. Unterstützt wurden die Dreharbeiten vom Anne-Frank-Fonds in Basel, der das Erbe des jüdischen Mädchens verwaltet. Dadurch konnten die Produzenten auf ein umfangreiches Archiv und Recherchematerial zurückgreifen. Die Hauptdarstellerin Lea van Acken, wohnhaft in der Nähe von Bad Segeberg, bereitete sich auf ihre Rolle vor, indem sie fiktive Briefe an Anne Frank schrieb. Die Schauspielerin wurde einem größeren Publikum durch ihre Hauptrolle im Film "Kreuzweg" von Dietrich Brüggemann bekannt, der auf der Berlinale 2014 den Silbernen Bären gewann.