25.04.2016
Mustang
Filmzettel – Nummer 1146
Regie: Deniz Gamze Ergüven; Kamera: David Chizallet, Erson Gok; Musik: Warren Ellis; Darsteller: Günes Nezihe Sensoy (Lale), Doga Zeynep Doguslu (Nur), Elit Iscan (Ece), Tugba Sunguroglu (Selma),Ilaya Akdogan (Sonay), Nihal Kosdas (Großmutter), ayberk Pekcan (Onkel), Bahar Kerimoglu (Dilek) ; Länge: 93 min; Spielfilm; Türkei 2015

Inhalt

Lale und ihre vier Schwestern wachsen nach dem Tod der Eltern bei ihrem Onkel und der Großmutter in einem kleinen Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste auf. Als sie eines Tages nach der Schule mit Mitschülern unbeschwert am Meer herumtollen, lösen sie einen Skandal aus. Eine Nachbarin beschuldigt sie, sich unzüchtig aufgeführt zu haben. Der empörte Onkel bringt die Mädchen ins Krankenhaus, wo ihre Jungfräulichkeit überprüft wird. Um die Heiratschancen der Teenager zu wahren, werden die Fenster des Hauses vergittert und die Mauer um das Anwesen erhöht. Außerdem werden Telefon, Computer und Make-up beschlagnahmt, die Mädchen müssen ab sofort hässliche Kleider tragen. Doch damit wird deren Widerstandsgeist erst recht angestachelt und sie versuchen alles, um den ihnen aufgezwungenen Restriktionen zu trotzen.

Kommentar

Die Autorin und Regisseurin Deniz Gamze Ergüven, 1978 in Ankara geboren, wuchs überwiegend in Frankreich auf und studierte an einer Pariser Filmhochschule. Ihr erster Langfilm, in den auch autobiografische Erlebnisse eingeflossen sind, spiegelt diese Bikulturalität wider: Obwohl mit einheimischen Darstellern in der Türkei gedreht, ist die erstaunlich stilsichere Inszenierung eher dem französischen Autorenfilm verpflichtet. Das lässt sich an der unbefangenen Darstellung der erwachenden Sinnlichkeit der Mädchen ebenso ablesen wie am Soundtrack des Komponisten Warren Ellis mit seinem betörenden Mix aus psychedelischen und orientalischen Klängen, die die oft flirrenden Sommerbilder adäquat begleiten. Der Film attackiert mit Herzblut überkommene patriarchalische Denk- und Sozialstrukturen, die darauf abzielen, den Freiheitsgeist der Heranwachsenden zu brechen und diese für traditionelle Frauenrollen zu zähmen.