18.04.2016
Suffragette - Taten statt Worte
Filmzettel – Nummer 1145
Regie: Sarah Gavron; Kamera: Eduard Grau; Musik: Alexandre Desplat; Darsteller: Carey Mulligan (Maud Watts), Helena Bonham Carter (Edith Ellyn), Meryl Streep (Emmeline Pankhurst), Brendan Gleeson (Inspector Arthur Steed), Anne-Marie Duff (Violet Miller); Länge: 106 min; Spielfilm; Großbritannien 2015

Inhalt

London East End 1912. Maud Watts arbeitet seit ihrem siebten Lebensjahr in einer Wäscherei. Inzwischen ist sie
mit ihrem Kollegen Sonny verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Über die Qualität ihres Lebens stellt sich Maud nur wenige Fragen, bis sie eines Tages bei einem Botengang für ihren Boss Taylor in einen Aufstand der Suffragetten gerät. Unter den Steinewerferinnen ist auch Mauds Kollegin Violet, die mit Herzblut für das Frauenwahlrecht kämpft. Zunächst will Maud nichts von diesen Ideen wissen, lässt sich dann aber von Violet und deren Freundinnen überreden, an einem geheimen Treffen der Gruppe teilzunehmen. Vom Kampfgeist ihrer Mitstreiterinnen angesteckt und von einer Rede der Ober-Suffragette Emmeline Pankhurst angestachelt, ist Maud bald bereit, immer radikaler für Frauenrechte einzutreten. Dabei setzt sie nicht nur Job und Familie, sondern auch ihr Leben aufs Spiel.

Kommentar

Man muss sich wundern, dass es über 100 Jahre gedauert hat, bis der aufopfernde Kampf der militanten Suffragetten für das Frauenwahlrecht in Großbritannien als Spielfilm auf die große Leinwand gekommen ist. Engagiert beleuchtet Regisseurin Sarah Gavron den mit zivilem Ungehorsam geführten Kampf der Suffragetten. Weder beschönigt die Britin, noch verfällt sie in nostalgisches Heldinnenpathos. Die fast dokumentarisch anmutenden Szenen wirken bis ins Detail authentisch. Das erstrebte Wahlrecht ist dabei nur eine Facette dieses Kampfes, der sich im Prinzip gegen die Entmündigung der Frauen in allen Schichtender Gesellschaft richtet. Nicht zuletzt deshalb steht das Schicksal einer fiktiven Arbeiterfrau im Mittelpunkt dieser emotionalen Milieustudie, die gleichzeitig ein packendes politisches Lehrstück darstellt. Der Name "Suffragette" leitet sich vom französischen Wort für "Wahlrecht" (suffrage) ab und wurde von den englischen Medien zunächst herabwürigend (wie heute z.B. "Emanze") benutzt. Das Frauenwahlrecht wurde in Großbritannien erstmals am 2.Juli 1928 eingeführt, in Deutschland galt es bereits seit den Wahlen zur Nationalversammlung am 19.1.1919.