04.04.2016
Where to invade next
Filmzettel – Nummer 1143
Regie: Michael Moore; Kamera: Rick Rowley, Jayme Roy; Länge: 110 min; Dokumentarfilm; USA 2015

Inhalt

Der bekannte Dokumentarfilmer zieht dieses Mal mit der US-Flagge in europäische und arabische Länder, aber nicht um Territorien oder Ressourcen zu erobern - wie weiland das
Militär seines Landes - sondern um nachzusehen, was sich dort an guten Ideen erbeuten lässt, die zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in den USA dienen könnten. Dabei geht es vor allem um sozialpolitische Errungenschaften wie gesundes Essen in Schulkantinen (Frankreich), langen Schwangerschaftsurlaub (Italien), humanen Strafvollzug (Norwegen) oder Kündigungsschutz (Deutschland). Die Palette wird aber ausgeweitet auf Straffreiheit für Drogen (Portugal) und liberale Abtreibungsgesetze (Tunesien), so dass man schließlich den Eindruck gewinnt, dass der Regisseur die alte Welt für eine Art Sozialparadies hält. Und das ist natürlich übertrieben !

Kommentar

Für seinen achten abendfüllenden Dokumentarfilm (darunter befanden sich Highlights wie "Roger & Me" , "Bowling for Columbine" oder "Fahrenheit 9/11") untersucht Michael Moore gewohnt engagiert und unterhaltsam die Sozial- , Gesundheits- und Bildungssysteme in Europa und Tunesien. Da er sich aber immer nur die Rosinen herauspickt, entsteht im Laufe des Films ein zunehmend verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Gespräche mit Gewerkschaftern, Unternehmern und Politikern sollen seine Entdeckungen untermauern. Doch obwohl nichts von dem, was er zeigt, unwahr ist, fördert er nur die eine Seite der Medaille zutage. Soziale Probleme scheint es in Europa überhaupt nicht zu geben. Aber es geht ihm wohl eher darum, seinen Landsleuten den Spiegel vorzuhalten nach dem Motto "Seht her, so ginge es doch auch !"